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Ungewöhnliche Kanarenradtour

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  Ich durchfahre das Anagagebirge auf der Strecke, zu der ich mir Anfang des Jahres eine Notiz im Hinterkopf gemacht habe. Mein Etappenziel ist San Andres, wo ich anderthalb Tage bleibe. Ich schlafe unter dem Baum, unter dem ich letztes Jahr meine erste Nacht auf Teneriffa verbracht habe.   Am Vorabend der nächsten Etappe möchte ich mir nochmal eine Pizza gönnen. Ich google, lese "Spezialität Pizza" und steuere den entsprechenden Ort an. Ich muss mich (dumm!) in der Zeile vertan haben, denn ich werde Gewahr mich in einem Fischrestaurant zu befinden. Die vegetarische Auswahl ist begrenzt. Ich bestelle im Dialog mit dem Kellner und ohne Karte eine Schüssel sehr leckerer Salzkartoffeln, dazu einen Salat und einen Käseteller. Letzterer besteht aus drei dreieckigen Käsescheiben mit einer Seitenlänge von ca. einem kleinen Finger. Beim Bezahlen wird klar, dass man hier weder auf Pizza, noch auf gemäßigte Preise steht. Der Käse alleine kostet dasselbe wie meine letzte Pizza: sechs Eu...

Hundsgewöhnliche Kanarenradtour

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Seit drei Tagen befinde mich auf einer Inselumrundung im Uhrzeigersinn. Gestern Nacht habe ich im NW geschlafen, in der Gegend, in der ich letztes Jahr schon einmal war. Dort, wo die Wellen den Boden vibrieren lassen. Letztes Jahr war ich zu faul noch etwas weiter (und höher) bis zum nordwestlichsten Inselzipfel zu fahren. Dieses Mal bin ich zwar motivierter, muss dann aber feststellen, dass die einzige Straße in den äußersten Inselzipfel gesperrt ist. Ich bleibe also in bekannter Umgebung.   Tunnel der gesperrten Straße Also Plan für heute: eine ganz normal Kanarenradtour entlang der Nordküste Teneriffas. Um 0900 gehts los, Meeresniveau, gute Temperatur: 17 Grad. 0920: die ersten Schweißtropfen lösen sich von meinem Gesicht. Ich peile über den Daumen wie viele Liter das heute noch werden im Angesicht der Tatsache, dass die Sonne erst vor anderthalb Stunden aufgegangen ist und im Verlauf des Tages noch "geringfügig" höher steigen wird. (Etwa so hoch wie sie es in Stuttgart a...

Die WG

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Anfang des Jahres miete ich mir einen überteuerten Mietwagen und lasse mein Rad zwei Tage am Flughafen stehen - angeschlossen an dem Geländer, vor dem der Mietwagen stand. Anstatt der letztjährigen ca. 15€/Tag, ist mein bester Deal in 2022 69€/Tag - für einen Citroën C1! Gut, man muss auch an die Inflation denken 😅 Auf den Inseln scheint etwas vor sich zu gehen. Ich fahr auf einer mir noch nicht bekannten Strecke durch's Anaga-Gebirge im Nordosten der Insel. Nur in Ausnahmefällen kommt der dritte Gang zum Einsatz, ansonsten nur eins und zwei. Im Hinterkopf mach ich mir eine Notiz auf meiner Radtour-ToDo-Liste. Zwei Tage drauf finde ich einen Zettel an meinem Rad, das kraftschlüssig von einem anderen Mietwagen zugeparkt wurde. Zum Befestigen des Zettels kam eine Wäscheklammer aus meiner sonst leeren Rahmentasche zum Einsatz: BEACHTEN SIE, DASS SIE AUF EINEM PRIVATEN PARKPLATZ GEPARKT HABEN. WENN SIE ES NICHT SO BALD WIE MÖGLICH ENTFERNEN, WIRD DER KRAN GERUFEN, UM ES ZU ENTF...

Der Campingplatz

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Nach sechs Nächten Campingplatz frage ich an der Rezeption, ob es einen Langzeit-Disount für längere Aufenthalte gibt. Der Campingplatz ist wirklich nichts Besonderes, den Preis haben sie aber seit Februar um 50% erhöht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich verstanden hat, denn ihr Angebot für eine weitere Woche kostet noch mehr, als die aktuelle. Scheint am Jahreswechsel zu liegen. Ich lehne dankend ab und erweitere um nur weitere vier Nächte bis 31. Ich schlafe mittelmäßig und bin meist vor Sonnenaufgang wach. Dann gehe ich an den Strand zum Laufen/Schwimmen/Frühstücken. Zwischen Strand und Campingplatz ist ein Zaun mit einer Gittertür. Die muss in beiden Richtungen aufgeschlossen werden, also bekommen alle Gäste einen Schlüssel. Im Bereich zwischen Strand und Zaun ist nie jemand, außer eben den Gästen des Campingplatzes. Dennoch wird die Tür den ganzen Tag über immer brav von allen ins Schloss gezogen - was für mich schlecht zum sonst so entspannten Inselmindset, aber gut zu den t...

Die Station

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Es stellt sich raus, dass ich in einer im zweiten Weltkrieg gebauten, aber nie eröffneten Leprastation wohne. Manche Grafitti sind älter, als ich.  Die gehören zu den jüngeren Werken...die Katze! 🤗 Ich lasse mein Zelt tagsüber stehen und hoffe, dass die Touris, die es vielleicht tagsüber, während ich am Strand bin, entdecken, genau so reagieren würden, wie ich auch: nämlich gar nicht. Beim Inspizieren eines benachbarten Gebäudes (und zum Glück nicht im eigenen) steht plötzlich aus dem Nichts eine "Security"-Dame vor der Tür. Sie meint, es sei gefährlich hier zu sein. Sie "recommend"et, dass ich ein paar Bilder mache und mich dann wieder verziehe. Ich nehme den Vorschlag zur Kenntnis und halte mich an den ersten Teil. Sehr viele deutsche Touristen hier, also im benachbarten Dorf und am Strand. Das muss so ein kleiner Touriknaller hier sein. Von zehn Menschen sprechen circa sieben deutsch. So gesehen wohn ich ganz gern in der Leprastation 😂   An Tag vier kommt mich ...

Vier Hühner

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Ich übernachte im schwarzen Sand eines Strands, am Rande eines Naturparks. Mir ist bewusst, dass die Ranger hier gern nach dem rechten sehen und - bleibe. Hab das Nervenkitzel-Poti weit aufgerissen 😂 Zudem soll es heute Nacht Sternschnuppen geben. Ich stell mir den Wecker in der zweiten Nachthälfte, bin dann aber zu müde, um lange wach zu bleiben bzw. ein scharfes Bild zu sehen 🙈 Mein Schlafsack, der mich die letzten Wochen regelmäßig und erfolgreich vorm Kältetod bewahrt hat, macht seinen Job hier viel zu gut. Teils brauch ich ihn erst morgens, gegen Ende der Nacht. Genau so schlagartig hat sich das Thema Feuchtigkeit erledigt. Alles ist trocken, immer. Das heißt, sofern ich es nicht zuvor am Leib getragen hab.   Ich fahr auf der TF-28 (immernoch die beste Straße, die man unter den Rädern haben kann) Richtung Süden. Wahnsinn, ich entdecke so viele Schlafmöglichkeiten. Letztes Jahr hatte ich nur die eine Höhle im Blick, deren GPS Koordinaten ich mir auch gespeichert hatte. Aber d...

San Andrés

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Ich komme morgens an und fahr direkt an den Strand. Mein Plan war ja Gas rausnehmen. Kanns zum einen nicht glauben, tatsächlich hier zu sein und muss mich zum anderen auch erst wieder insel-aklimatisieren. Ich fahr am strandnahen Schlafplatz vorbei, wo ich Anfang des Jahres beim Zeltabbau von den Behörden "eindringlich" beobachtet wurde. Sollte mir für heute Nacht was anderes suchen.   Es ist warm, nieselt ab und zu und der Wind ist auch wieder da. Ich finde im feinen Sand keine Steine, die ausreichend groß wären, das Handtuch festzuhalten. Auch die Schuhe sind zu leicht. Also muss mein Körpergewicht herhalten. Ich genieße die Sonne und nicht so sehr das Ganzkörperpeeling. Erster Wassertest: ca. 20 Grad, kann man mit arbeiten. Am späten Nachmittag nehm ich eine Stranddusche, kleide mich "zivil" und geh mich nach einem Schlafplatz umsehen. Am Rand des Dorfs gibt es eine hügelige Grünfläche. Ich schieb das Rad durch, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Der Boden ist...