Porto



Am nächsten Tag ist eine Trocknungspause nötig. Ich picknicke in der Nachmittagssonne und grüße die selten auftauchenden, oft verwirrt schauenden Anwohner. 

 


Noch vor dem nächsten Regen komme ich in Porto an. Ich hatte ein Airbnb angefragt, eine komplette Wohnung, günstig angeboten. Anna, die potentielle Gastgeberin, antwortet es ginge nicht, sie sei grad selbst mit Familie anwesend. Taktlos wie ich bin, habe ich gefragt ob nicht eins der (vielen, mir aus dem Angebot bekannten) Zimmer verfügbar sei. Sie willigt ein, es gebe sogar eine Garage für's Fahrrad. Am Nachmittag treff ich sie zufällig vor dem Haus. Sie ist aus Freiburg, ihr Partner, Miguel ist Portugiese. Sie zeigt mir die schöne Wohnung, ich dusche und wir essen gemeinsam mit den drei Kindern (von denen zwei zu Besuch sind). Nach einer bequemen Nacht in einem richtigen Bett wasch ich Wäsche und freu mich seit langem Mal wieder mit ganz normalem Waschpulver waschen zu können. Nicht wie sonst mit einer parfümierten, grellfarbigen Plörre. Am Nachmittag macht der Regen eine Pause und ich radel durch die Stadt. Ich fahre durch die vielen Einbahnstraßen und lass Strava mitlaufen. Später schreibt mir Clemens eine Nachricht mit angehängtem Bild: Bart Simpson mit einer Schaufel in der Hand. Das war das, woran er denken musste, als er mein von mir gefahrenes "Muster" auf der Karte gesehen hat. Wenn ich darf, Clemens, lad ich Dein Bild hoch 🤗 

  


Nächster Morgen, 13 Grad, es regnet. Ich trinke diverse Tassen Kaffee und frühstücke ein zweites Mal. Dann pack ich meine Sachen zusammen. Anna empfiehlt mir Moledo anzusehen, mach ich glatt. Schräger Rückenwind hilft, ich komme gut voran. Allerdings ist der Verkehr auch teils wieder wild. Die LKW überholen egal wer oder was entgegen kommt. Sie fahren so, als ob es keine Option sei kurz hinter mir zu fahren bis der Gegenverkehr einen Überholvorgang auch tatsächlich zulässt. Ich bin ja wirklich kein Freund von Pauschalisierungen, aber wenn ein LKW ausnahmsweise einen respektvoll-großzügigen Bogen um mich macht, kann ich davon ausgehen, dass ich ein E(spaña) auf dem Kennzeichen lesen werde. Die Jungs von der "P-Crew" ballern an mir vorbei als ob es kein morgen gäbe. Bald überfahre ich die Grenze, bin gespannt, ob sich das im Verkehrsgeschehen niederschlägt.

Am Abend, am Ziel angekommen und beim zweiten Einkauf treffe ich Gerald aus Kiel. Er ist zu Fuß unterwegs und macht den Camino. Ansonsten macht er auch gern mit seinem Sohn Touren auf dem Fahrrad. Wir fachsimpeln, tauschen Erfahrungen aus. Er gibt mir interessante Tipps für die Atlantikküste in Frankreich. Nach seiner Frage nach meinem Alter meint er, er habe mich in schmeichelhaftem Ausmaß jünger eingeschätzt 😅 Nicht, dass ich unzufrieden mit meinem Geburtsjahr wäre, doch selbst wenn der Tag ein schlechter gewesen wäre, er wäre jetzt gerettet 🤣 Wir tauschen Nummern, verabschieden uns und ich fahr das letzte Stückchen zu meinem Ziel: besagtes Moledo, ein kleines Städtchen am Meer, unweit der spanischen Grenze. Ich sichte einen sehr schönen Wald direkt hinterm Strand. 

 



Ich setze mich ans Wasser und denke über den Tag nach. Nur in der Ferne entdecke ich ab und zu einzelne Personen. Drei Hunde kommen auf mich zugerannt. Unklar, ob die zu dem in ca. einem Kilometer entfernt laufenden Herren gehören. Sie grüßen freundlich und biegen in den Wald ab, wo ich vorhin schon meinen Schlafplatz ausgekundschaftet habe. 

Weil ich jetzt am Strand sitzend erst merke wie stark der Wind tatsächlich bläst, entschließe ich mich bald das Zelt aufzuschlagen. Sehr schön, ich freu mich heute hier schlafen zu können. 

Ich sitze im Zelt. Die Wellen rauschen, die Sonne scheint flach durch die Bäume, die Schnaken stechen sich an meinen vor dem Zelt aufgehängten Socken wund. Ich werde zwei Nächte hier bleiben.


Mit freundlicher Genehmigung von Clemens 🙂


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Rheinquerung

Widerstand

Salzseen