Tag fünf - Luxus

Ich bin kein Kuhexperte, dachte aber auch Kühe würden nachts schlafen. Nicht so auf diesem Bauernhof. Die ganze Nacht haben sie sich unterhalten, teilweise in einer markerschütternden Lautstärke. Zu jedem Zeitpunkt war irgendeine Kuh am urin- oder defäkieren und so hat mich das Geräusch, das dem Klang tropfnasser, in kurzen Intervallen auf den Boden geworfener Sonntagszeitungen ähnelt, in den Schlaf gewiegt.
Der Morgen war kalt. Mit steifen Fingern habe ich meine nasskalte Kleidung angezogen und das Zelt abgebaut. Auf den ersten Kilometern habe ich auch ohne Regen mein Poncho angezogen, um mich großflächig vor dem Wind zu schützen. Die aufsteigende Sonne fängt an zu wärmen.

Heute war Rückenwindtag, es lief gut, die Sonne hielt sich am Vormittag und ich habe Kilometer gesammelt wie ein Eichhörnchen Nüsse. Dann kam ich an einer öffentlichen Toilette vorbei und hab mich über den unfassbaren Luxus fließenden Wassers gefreut. Den Gedanken sollte man im Alltag beibehalten.


Mittags kurzer Stop im Supermarkt und weiter gehts entlang der schnurgeraden Radwege. Die Distanzen zwischen den Dörfern (in denen man dann oft den Ortsein- und ausgang innerhalb von Sekunden passiert hat) sind teils enorm. Mit einer kapitalen Panne müsste ich vermutlich Stunden zum nächsten Dorf schieben. Die gute Seite davon ist die unberührte Natur. Ich hab noch so viele Greifvögel an einem Tag gesehen. Die Wasservögel sind so scheu, dass sie schon flüchten, bevor ich sie überhaupt in der Ferne entdeckt habe.



Powerbanks haben offenbar die Eigenschaft in einem Moment dreiviertel voll und im nächsten komplett leer zu sein. Wie sich rausstellt, ist mein fahradeigenes USB-Ladesystem nicht in der Lage mein neues Handy tatsächlich zu laden, sondern verlangsamt das Entladen nur.
Ich frage also einen Herren vor seinem Haus, ob er mir mit Strom helfen kann. Ich fülle  meine Akkus und mache in der Sonne sitzend Mittagspause.
Da ich den günstig stehenden Wind nutzen wollte, ging es bald weiter. Oft auf einer Landstraße, die ebenso schnurgerade durch die Landschaft pflügt und sich dabei Hügel und Täler Route-66-mäßig abwechseln.
 

Nachdem ich von zwei Hausbesitzern abgelehnt wurde, komm ich in der Garage eines sehr netten Ehepaars etwas nördlich von Bourg-en-Bresse unter. Der Wagen wird extra rausgestellt, ich bekomme eine extra Matratze für mein Zelt, es gibt ein Waschbecken in der Garage, ich kann warm duschen (was für ein Luxustag!) und meine gewaschene Wäsche vor dem Ofen aufhängen. Bei einem überaus leckeren Abendessen, welches natürlich mit Käse abgerundet wird, tauschen wir uns über die Eigenarten der jeweiligen Landsleute aus.

Kommentare

  1. Hey Pat. Freut mich wahnsinnig, dass Deine steifen Finger wieder aufgetaut sind und du scheinbar eine gute Nacht verbringen konntest.
    Bald wird die Luft salzig. Um es in den poetischen Worten den Philosoph L zu sagen: Zieh!!!

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  2. Des Philosophen. Danke Handytastatur.

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  3. Und veröffentliche mal die Adressen all derer, die Dich nicht aufnehmen. 😳

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  4. Verdammt bist Du schnell, kein Wunder das Du frierst :-) Pass auf Dich auf.
    Gruß Roland

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  5. Hi Pat,
    Dein Blog ist mega! Ich liebe ihn. Da das Internet von Trump und Corona fast zu platzen droht, ist er ein hoffnungsvoller Ort. Mach weiter so. Alles Gute!
    Andi

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  6. Respekt!!! Was für eine Tour.....finde deine Berichte super spannend!!! Freu mich schon auf den nächsten!!! Weiterhin gute Fahrt und pass auf dich auf!!! LG Melanie

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  7. Mach weiter so. Deine Berichte sind total spannend und unterhaltend. Es freut mich, dass Du überwiegend hilfsbereiten und netten Leuten begegnest. Drück dir weiter die Daumen.
    Brandy

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  8. Hi, Patty! klingt ja super...aber morgen so kalte Klamotten!? Pass nur auf Dich auf...aber
    siehtst Du, es gibt auch "nette Leute", hab ich dir doch gleich gesagt...genieße den Luxus-Abend...
    und denk dran...wenn es mal wieder "einfach" zu geht....WIR grüßen Dich und denken an DICH!!

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