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Trade-Off

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Die Sprinkler hatten keinen Einsatz. Reflexartig fasse ich morgens beim Öffnen des Zelts die Plane an, um die Feuchtigkeit zu testen und freu mich, wenn sie wieder trocken ist. Zusammenpacken und los. Ich bin etwas von meiner eigentlichen Tour abgekommen bin nun auf kleineren, schlechteren Straßen unterwegs. Teils solche, auf denen man wegen des Asphalts bergab kaum schneller fahren kann, als bergauf. Teils auf einem Radweg mit dem Belag einer Baustellenausfahrt.    Ich such meinen Weg zurück auf große Straßen. Schöner Nebeneffekt der kleinen war eine sehr schöne, abwechslungsreiche Landschaft. Das ist immer so ein bisschen der Trade-Off zwischen etwas sehen und vernünftig vorankommen. Denn so schön das alles ist, ich hab schon auch das Ziel vor Augen. Dabei wollte ich mir genau das eigentlich abgewöhnen: anstatt den Moment zu erleben, gedanklich schon etwas voraus zu sein. Ist ja eigentlich Unfug, der Moment ist alles, was tatsächlich passiert und wirklich ist. Alles andere s...

Salzseen

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Es ist sicher noch gut eine Stunde bis Sonnenaufgang. Dunkel draußen. Ich schlafe. Aus dem Nichts bellen mich drei Hunde von verschiedenen Seiten an. Mein Puls geht gut hundert Schläge nach oben. Ein super Gefühl sich unterhalb der Hunde zu befinden! Eine französisch sprechende Frau versucht die Tiere unter Kontrolle zu bringen. Sie entfernen sich, ich bin erstmal wach. Aber so richtig. Da ich nicht mehr einschlafen kann entschließe ich mich einige Zeit später dem Ruf der Natur nachzukommen. Selbstverständlich ist die Frau just in dem Augenblick mit ihren Hunden zurück, als es gerade plätschert. Ich uriniere, die Hunde bellen und rennen. Ich steh halt da und kann nicht anders. Was für ein Morgen! Etwas später kommt nochmal einer mit seinem Hund vorbei. Ich muss hier den Gassi-Hotspot erwischt haben. Frühstück, Fahrrad zurück auf die Straße wuchten und los nach Alicante. Ich erwähne nur ungern, dass der Wind immernoch aus Westen bläst. Die Stadt hat eine weniger gute Fahrradinfrastrukt...

Größer-Als-Zeichen

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Bis kurz vor Sonnenaufgang hab ich fast elf Stunden geschlafen. Abends merke ich richtig, dass ich ein paar Stunden am radeln war.  Wenn letzte Nacht Wäsche draußen gehangen wäre, hätte ich sie morgens aus dem Gebüsch zusammenklauben können. Der Olivenbaum, in dessen Windschatten ich mich versteckt hatte, hat das Zelt mit dunklen Flecken gesprenkelt. Ich pack zusammen. Heute sieht meine Etappe auf der Landkarte nach einem > aus. Mit dem starken Westwind war die erste Tageshälfte schön zu fahren und auch optisch sehr ansprechend.    In menschenleeren Dörfern hängt schon die Weihnachtsbeleuchtung und wartet drauf zum ersten Mal zum Einsatz zu kommen. Ich schraub mich den Berg hoch. Je nachdem in welche Richtung ich fahre, fühlt es sich manchmal so an, als würde mich eine Hand, so groß wie mein Rücken, nach vorne schieben. Wenn ich in einem Kreisel die dritte Ausfahrt nehme, muss ich mich zunächst in den ersten Teilbogen reinkämpfen und werd dann ab 90° zunehmend rausbesc...

Valencia

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Wirklich: so eine schöne Stadt!   Da ich gestern Abend wieder größeren Appetit hatte, bleibt mir heut nur wenig Frühstücksmüsli. Nur widerwillig pack ich zusammen. Es gefällt mir zu gut hier.   Den Hügel runterrollen und dann wieder auf die Landstraße. Der Wind hat sich wohl gut eingerichtet, denn er bläst immernoch aus Westen. Ich kurble. Schon weit vor Valencia komme ich auf einen Radweg, den wir letztes Jahr zu dritt gefahren sind. Eine Böe schmeißt mir eine handvoll Sand ins Gesicht. Da morgen Sonntag ist, muss ich wieder für zwei Tage einkaufen. Ich mach das (wie sich später rausstellen sollte) viel zu früh an karr' unnötigerweise den ganzen Tag die vollen Taschen rum. Ich hab aktuell mehrere Kilogramm (excl. Wasser) Nahrung bei mir. Vermutlich als Reaktion auf das traumatische Frühstückserlebnis heut morgen 😅   Die Mittagspause mach ich in Valencia in einem Park. Die Sonne brennt runter, ich muss ihr irgendwann den Rücken zudrehen.    Kurz vor der Pause h...

Mehr Zeit

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Es war im Dickicht zwar windgeschützt und das Gras weich zum Liegen, aber entsprechend feucht war es heute morgen. Nasskalt. Ich weiß gar nicht welche Reißverschlüsse ich an meinem Schlafsack noch weiter hochziehen soll. Dann geht die Sonne auf. Das Zelt packe ich tropfnass zusammen. Start in den Tag mit einer Vorbeifahrt an Peniscola. Das hebt gleich die Stimmung 😅 Der Wind bläst immernoch kühl von den Bergen. Nach gut zwei Stunden gehe ich in einem Dorf einkaufen. Ich lehne mein Rad an die windabgewandte, weiße Wand des Ladens und spüre schlagartig wie warm die Sonne eigentlich ist! Voll beladen mach ich kurz hinter dem Dorf eine Trocknungspause am Rand der dünn befahrenen Straße. Alles aufhängen, Zelt aufstellen. Es ist bald Mittag und so sehr ich die Sonne in den letzen zwei Wochen herbeigesehnt hab, ist mir jetzt gerade nach Schatten. Ich setze mich hinter meine am Baum aufgehängte Plane. Mittagessen und parallel Klamotten bzw. Zelt immer wieder umdrehen. Ich schmiere mir Sonnenc...

Seitenwindtag

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Letzte Nacht hat der Regen öfter mal auf dem Blechdach über mir geprasselt und bis zum Morgen wieder aufgehört. Ich frühstücke und packe zusammen. Als ich gerade los will, kommt nochmal ein Schauer. Ich warte ab. Heute geht's den ganzen Tag auf der N-340 an der Küste entlang. Kurz nach dem Start muss ich nochmal das Poncho rausholen. Gestern blies der Wind vom Meer, heute bläst er noch stärker in die andere Richtung. Es ist Seitenwindtag. Die erste Tageshälfte ist kalt und zäh. Auf den Mittag hin wird's heller. Ich suche einen Platz, wo ich windgeschützt in der Sonne sitzen und mich, vor allem meine Füße, aufwärmen kann. Gar nicht so einfach, zumal weite Teile neben der Straße schlammig sind oder ganz unter Wasser stehen. Dann finde ich ein paar Büsche, davor steiniger Boden, ich biege ab. Während des Essens halte ich meine nackten Füße in die Sonne. Ich werde mit einem zweiten Paar Socken weiterfahren.   Frisch gestärkt (das war nötig!) geht's weiter. Die Sonne wärmt jetzt...

Radwechsel

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Ich wache früh auf und kann nicht mehr schlafen. Na gut, dann halt Frühstück. Anschließend gehe ich einen Stock tiefer zum Rad. Ich fang an es im verwaisten Frühstücksraum zu demontieren. Zwei Stunden brauche ich bis das Vorderrad getauscht und alles neu verdrahtet ist. Ich bin drauf und dran nochmal loszuziehen, weil ich längere Schrauben brauche. Der Schnellspanner baut axial länger und kollidiert mit dem Frontgepäckträger. Ich entschließe mich den alten Spanner zu nehmen - passt. Rad dreht sich, Licht leuchtet.   Ich dusche und spaziere durch die Stadt. Hier kann man auch Wochen verbringen bis man einen nennenswerten Teil der Stadt kennen gelernt hat. Wieder fallen mir die nicht wenigen Männer auf, die mit einem Einkaufswagen voller Altmetall unterwegs sind. Der Regen wird stärker.  Bereits am Abend steht alles unter der Wasser. Der Müll schwimmt in den Säcken der öffentlichen Mülleimer.   Nächster Morgen. Ich packe mein Zeug zusammen, dusche und wuchte Fahrrad und Gep...