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Ich pack die Handschuhe aus

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Ich bewege mich stückweise nach Norden. Durch das schöne Valle del Jerte, was das Kirschenzentrum Spaniens zu sein scheint. Leider bin ich etwas zu früh dran. Es geht in die Berge. Ich versuche mich wo immer möglich auf Schnellstraßen zu bewegen. Die sind wenig befahren und haben meist einen breiten Seitenstreifen. Die Dörfchen, die ich durchfahre machen teils einen desolaten Eindruck. Wenn ich's nicht besser wüsste, würde ich annehmen, ich bin in der fernen osteuropäischen Prärie. Hier ist überall das meiste dicht. Ich sehe mehr verlassene Tanken als betriebene. Unzählige eingefallene Dächer, heruntergekommene, vermooste Häuser, zugemauerte Fenster und Türen. Ganze Siedlungen sind eingezäunt, zerfallen und werden von der Natur zurück erobert. Einmal schlafe ich neben einem Sportplatz hinter einer hohen Mauer, die genau richtig steht, um mich vor dem Wind zu schützen, mal in einem kleinen Waldstückchen, wo ich der bisher größten, in freier Wildbahn gesehenen Schlange begegne. Die N...

Widerstand

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Ich hab mich richtig wohl gefühlt an meinem Schlafplatz und gut geschlafen.    Ich freu mich über den vorhergesagten Wind, der mich mit Böen bis 6 Bft von schräg von SO nach Norden schieben soll. Kurz nach dem Losfahren muss ich feststellen, dass der Wind von NO kommt und mich massiv am Vorankommen behindert. Echter Gegenwindtag! Es ist bewölkt und windchillig kühl. Ich werde bis zum Mittag nicht richtig warm. Was natürlich nicht heißt, dass ich nicht trotzdem massiv transpiriere, was die Situation in nassen Klamotten nicht gerade verbessert. Kurz nach 12 kommt die Sonne etwas raus. Ich finde einen einigermaßen windgeschützten Platz, wo ich mein Zelt aufstelle und es zusammen mit meinen Klamotten trockne. Ich muss trotz des Windschutzes (zwischen einem Hügel und einem Felshaufen) einen schweren Stein ins Zelt legen, damit es keine Beine bekommt. Ich esse auf den Felsen sitzend, die leider weniger sonnengewärmt sind, als ich mir das gewünscht hätte. In den wenigen Dörfern, die ...

They see me rollin'

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...das Lied ging mir heute immer durch den Kopf 😂 Ich habe gut geschlafen, frühstücke im Bett. Um 12 muss ich auschecken. Ich gehe zur Rezeption und frage nach der Rechnung. Das Zimmer war günstig, allerdings kommt der Wäscheservice auf ein Drittel des Zimmerpreises 😳 Trotzdem klare Empfehlung für das Hotel Oasis! (falls ihr mal in der Gegend seid) Die Rezeptionistin ist sehr nett und fragt, ob ich einen Kaffee möchte. Ich bejahe und sitze kurz drauf mit meinem Kaffee im neben der Lobby befindlichen Bistro. Plötzlich steht sie mit einer Freundin neben mir: Kanadierin, spricht entsprechend einwandfreies Englisch plus Spanisch und dolmetscht für uns. Sie holen sich auch Kaffee und wir gehen zurück in die Lobby, wo ich freundlicherweise gute Tipps für meine weitere Reise bekomme. Meine Ersatzteile, die "morgens" geliefert werden sollten, sind um halb eins da. Ich scheine noch etwas Zeit zu haben. Folgerichtig gehe ich kurz drauf ins Restaurant neben dem Bistro und esse lecker...

Das Fahrradgeschäft

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Am Abend habe ich akustisch den Eindruck als wäre ich im Vogelhaus in der Wilhelma. Hier scheint die Natur noch weitgehend in Ordnung zu sein. Die geringe Bevölkerungsdichte hilft vermutlich. Auch Insekten sind in rauen Mengen unterwegs und springen/krabbeln auf mir oder meinem Zelt herum. Ich wache auf. Es ist bewölkt, feucht und kühl. Ein schöner Kontrast zu den Morgenstunden auf den Kanaren! Ich löffle Müsli und muss mich motivieren, diesen Tag (mit Schieben) zu beginnen. Ich packe das Zelt klatschnass zusammen und mache die letzten Kilometer bis nach Jerez de los Caballeros, der Kleinstadt, in der es den Fahrradladen geben soll. Am Ortseingang weist mich ein entgegenkommender Rennradfahrer drauf hin, dass ich rechts laufen solle. Ich habe überhaupt keine Zeit zu reagieren und hätte im Fall ausreichender Zeit - nicht reagiert. Ich frage ich einen Mann, der gerade Stühle aus einem Café in einen LKW lädt, nach dem Fahrradladen. "Es complicado" Seine Wegbeschreibung ist sehr...

Mal was anderes

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Es wird langsam hell, leichter Regen setzt ein. Ich kenne jemanden, der sein Zelt heute Mittag nochmal aufschlagen wird. Ich stehe auf und gehe im benachbarten Laden einkaufen. Morgens um 9 wird hier wohl nicht sehr gern eingekauft. Die Gänge sind leer.  Nach 12 Kilometern biege ich nach Norden auf die nächste Schnellstraße ab. Der Verkehr ist dünn. Hoher Anteil an Viehtransporten. Ein schmaler Seitenstreifen für mich. Etwas später stell ich fest, dass ich sinusartig eingebremst werde. Ich checke das Hinterrad. Es ist noch eine Speiche gerissen und eine Acht hat sich infolgedessen schon ausgebildet. Also hab ich jetzt ca. 30 km mit einer fehlenden Speiche gemacht. Die Felge liegt im Bereich der defekten Speichen am Bremsschuh an und verzögert meine Fahrt kurzzeitig alle zwei Meter. Ich öffne die Hinterradbremse, damit die Acht durchpasst. An der Stelle muss ich meine Aussage von Tag sieben richtigstellen: "wenn etwas bricht, dann in einer Rinne oder Delle, die ich unkonzentriert d...

Es hat "pling!" gemacht

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  Bin spät losgekommen, da ich mein Zelt gleich morgens getrocknet hab. Zurück zur Straße und weiter nach Norden zum nächsten Grenzübergang. Die Grenze ist tatsächlich dicht. Ich muss zugeben, ich bin etwas überrascht. Während auf der Seite des AA das Ende der Grenzsperrung auf 18. April datiert ist, sagt mir der Grenzbeamte mindestens 30. April. Er entschuldigt sich dafür. Es tut mir leid, ich bin immer wieder überrascht wie nett die hier sind 🤗 Weiter nach Norden entlang der Grenze. Gleiches Bild wie gestern: ich bin fast alleine, links und rechts alles eingezäunt. Viele Tiere dahinter: Schafe, Kühe, Ziegen, Pferde, Schweine, ...oh ja und unzählige Störche (nicht eingezäunt 😅) Auf bald jedem größeren Mast sitzt ein Storch. Aus Mangel an Alternativen mach ich in einem der wenigen Schattenplätze unmittelbar neben der Straße Pause. Erst minutenlang überhaupt kein Verkehr, dann donnern plötzlich zwei Dutzend Motorräder in einem Pulk an mir vorbei. Einer größeren Ameise gebe ich ein...

Festland! 🤗

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Schon beim "boarden" fiel mir auf, dass unzählige Militärfahrzeuge unter Deck stehen. Nach der ersten Nacht tauchen die zugehörigen spanischen Soldaten auf. Sie sind überall. Das Schiff gleicht einer Kaserne. Auf Deck, in der Sitzreihe nebenan, in der Cafeteria, auf der Toilette: überall ist man umgeben von Flecktarn. Gefühlte 100% rauchen Kette. Ich nehme an, dass die "gegnerische Mannschaft" im Nahkampf leichtes Spiel haben könnte. Die zweite Nacht schlaf ich an Deck auf einer Liege. Ich kann das Donnern des Schiffsdiesels irgendwann ausblenden und schlafe ziemlich gut. Fast alle Fahrgäste daddeln unentwegt auf ihren Handys rum. Keiner von ihnen kommt auf die Idee, dass muten ganz cool wäre. Es bimmelt und düdelt aus allen Richtungen. Ich habe Schwierigkeiten aus den Worten, die ich lese, einen Sinnzusammenhang zu generieren. Während der ganzen Fahrt werden wir über Lautsprecher ca. 29 mal informiert, dass jetzt das Restaurant offen hat bzw. bald wieder schließen ...