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Zieleinfahrt

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Der letzte Reisetag ist angebrochen. Ich wache noch immer zu meiner gewohnten Weckzeit automatisch auf. Meine mich sonst regelmäßig begleitende, bleierne Tagesmüdigkeit ist wie weggewischt. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal gegähnt habe. Im Regelfall ist die Antwort sonst immer: "vorhin" Am Morgen hat es heftigen Nebel. Ich zögere meine Vorbereitungen künstlich hinaus, in der Hoffnung, dass er sich etwas lichtet. Doch er bleibt und mit ihm das trübe Licht. Ich fahre weiter an der Landstraße, die bei Gegenverkehr nicht besonders viel Platz zwischen den LKW und mir bietet. Ich habe Lisas Stirnlampe um den Hals gehängt, sie leuchte nach hinten rot. Beim Geräusch der andonnernden LKW bereite ich mich manchmal gedanklich schon auf den Einschlag vor. Das ist heute mit Abstand das gefährlichste Stück der kompletten Tour gewesen. Noch kritischer, als morgens in Stuttgart mit dem Rad zur Arbeit 😅 Es sind noch knappe 80 km. Der Nebel hält sich beständig. Heute tropft kein S...

Überholen ist hier ein Thema

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Obwohl meine Klamotten gestern Abend nur wenige Stunden draußen hingen, war alles feucht. Auch noch am nächsten Morgen, nachdem ich alles im Zelt hatte. Beim Losfahren sehe ich den Grund dafür: auf der anderen Straßenseite ist ein See 🙈 Es regnet ein bisschen, der Himmel ist bewölkt. Enge Landstraßen führen auf langen Geraden wieder wellenförmig nach Westen.  Die Portugiesen überholen eindeutig anders als die Spanier. In Spanien hatte man wirklich das Gefühl, dass sie zumindest versuchen respektvoll distanziert vorbei zu fahren. Hier knallen sie an einem vorbei, dass die Armhaare wedeln. Oft erreichen mich die wenigen Autos, die unterwegs sind, vor einer Kuppe, sodass sie mit besonderem Elan rechts bleiben. Ich fahre durch große Korkeichenwälder. Viele Bäume sind geschält, der untere Bereich des Stamms ist dann dunkel rotbraun. Bauarbeiter am Straßenrand sind als völlig aus dem Häuschen, wenn ich vorbei komm 😊 "Companheiro" war eins der wenigen Worte, die ich verstanden hab...

Portugal

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 ...das (von mir) gelobte Land 🙂 Nachts fing es zu schütten an, der Lärm der Wassermassen hat mich geweckt. Ich liege im Zelt und traue meinen Ohren nicht. Das ist Regen?! Plötzlich legt die Intensität nochmals deutlich zu! Es klingt wie sich nie leerende Badewannen, die man über der Dachkante auskippt. Wenn das Geräusch nicht großflächig von drei Richtungen kommen würde, hätte ich gesagt, ich zelte neben einem Wasserfall. Ich denke wieder so Dinge, wie "wow, was für ein Glücksfall, dass ich das Dach gefunden habe!" Es ist einfach nur ein Dach und ich bin glücklich! Ich wäre sonst wahrscheinlich mit dem kompletten Zelt im Matsch davon geschwommen. Ich verabschiede und bedanke mich nochmals. Es regnet etwas, Poncho an. Weiter nach Westen, über Mérida nach Badajoz. Mein linkes Knie macht Zicken, aber sonst läufts gut. Ich genieße es, wie jeder einzelne Kilometer vor mir neu ist und jeder hinter mir womöglich für immer Vergangenheit bleiben wird. Mein Ziel zieht mich an, wie ei...

Schafe

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Gestern Abend war es (abgesehen von den Schafen) wieder sehr still. Aus ewiger Entfernung habe ich vereinzelt ein sich näherndes Auto gehört. Es kam aber ewig nicht. Es wird ganz langsam lauter. Ich warte und lausche. Es zieht sich. Ich fange an Zähne zu putzen. Das Geräusch der putzenden Borsten übertönt das Auto. Sehen tu ich aber auch nichts. Ich will gerade die Zahnseide um den Finger wickeln, da erscheint das Auto endlich vor mir.   Landschaftlich war das heute eine sehr schöne Etappe. Endloses Grün! Ich kam mir teils vor wie im Urwald. Bin wieder viel in Wellen gefahren, teils sehr steil bergab/bergauf. Am Ende des Tages sind es auch wieder 1,3 km Höhe. Kein Wunder tun mir die Knochen weh! Doch von vorne: morgens nach dem Start ist meine erste Aufgabe: 18 km der Straße folgen. Das bekomm ich hin! Der Asphalt ist grenzwertig, ich such ständig die beste Linie. Die Sonne scheint und wärmt den Rücken. Der Wind bläst ordentlich von Süden, ich fahre leicht nach links gelehnt. Ich f...

Heute hat irgendwas gefehlt...

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Ach ja, stimmt ja! Haltet Euch fest! Sage und schreibe ein Tag ohne platten Reifen! Die Nacht im Bungalow war nicht viel wärmer als im Zelt. Das Gebäude war völlig durchgekühlt. Die Rezeptionistin hatte mir noch einen mobilen Heizkörper vor die Tür gerollt. Der lief die ganze Nacht am Fußende meines Betts auf Pmax. Hat so mittel geholfen. Am nächsten Morgen fahr ich erst um 10 Uhr los, draußen ist es immernoch ausreichend kalt. In Ciudad Real geh ich zum Decathlon und kaufe Schläuche. Draußen treffe ich auf einen Radfahrer, der mich spanisch zutextet. Ich sage ihm, dass ich ihn leider nicht verstehe. Er wechselt ins englische: "where do you come from?" und zeigt auf mein Rad. Auf meine Antwort zollt er mir auf seine Art Respekt: er packt sich massiv in den Schritt, lacht und betritt breitbeinig den Laden. Da ich mich in der Stadt befinde, gehe ich auch gleich einkaufen. Ich pack den Rucksack voll: 27€. Das wäre für mich in Deutschland ein Wocheneinkauf kurz vor den Feiertagen...

Hochpunkt

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Die Sonne scheint durch den glaslosen Fensterrahmen und weckt mich. Ich mach das Zelt auf, mein Atem dampft in die Sonne. Auf den Feldern liegt Reif.    Es widerstrebt mir mit den kalten Händen kalte Dinge anzufassen. Leider ist aktuell genau das deren einzige Aufgabe. Ich frühstücke mit Handschuhen. Die Fahrradklamotten, die auf der Leine hingen, steck ich mir zum Vorwärmen unter meine Jacke (schon wieder fühle ich mich an die Arbeit erinnert 🙈) Ein Glück kein Nebel, ein Glück geht es bergauf! Ich lege immer eine Hand auf den Rücken, damit sie wärmende Sonnenstrahlen abbekommt. Meine Hände sind verflucht kalt. Mein rechter Ringfinger fühlt sich geschwollen an, als ob er gestaucht wäre. Ein Bergziegenbock mit mächtigen Hörnern quert vor mir die Straße und springt rechts in die Berge. Kurz drauf sehe ich am Straßenrand einige Bergziegen beim frühstücken. Nach einer Stunde komme ich in ein Dorf, eine Bäckerei hat geöffnet. Ich kaufe Brot und mache übertrieben lang Smalltalk, um...

Die bisher kälteste Etappe

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Ich wache - auf 600 m, 2°C, Nebel. Zum Einstieg geht es steil bergauf. Nach einiger Zeit werde ich warm, bin kurz davor, die Jacke etwas aufzumachen. Gleichzeitig sind Hände und besonders die Füße steif vor Kälte. Wenn mir jemand sagen kann, wie ich meine Körpertemperaturen etwas besser in Einklang bekomme, freu ich mich massiv über Hinweise. Das hätte einen gewissen impact auf mein Leben! Ich komme auf ein Plateau und folge der Landstraße. In den ersten anderthalb Stunden sehe ich sechs Autos. Ich biege auf einen Schotterweg ab. Ich rüttle bergab. Plötzlich bricht mein Frontgepäckträger und kippt nach vorne auf den Boden. Gut - dass der es nicht unbedingt machen würde, habe ich schon vermutet. Mein Tipp wären allerdings die Schweißnähte gewesen. Tatsächlich ist der obere Bügel, die Verbindung zur Gabel, abgebrochen. Klarer Schwingbruch. Jetzt müssen es zwei Kabelbinder bis Lissabon richten. Ich rüttle weiter. Der Nebel hält sich penetrant. Um 11 Uhr hat es immerhin 5°C, zur Mittagszei...